Wann ist eine unabhängige ERP-Beratung sinnvoll?

Häufig sind Unternehmen, die sich der Notwendigkeit einer neuen ERP-Lösung bewusst sind, unschlüssig, wie genau vorzugehen ist. Teilweise werden unkoordiniert und wahllos ERP-Anbieter eingeladen und mit Hilfe einer eigens dafür erstellten Excel-Tabelle mit Kriterien verglichen.

Oder aber es werden Empfehlungen und negative Erfahrungen von anderen Unternehmen als Grundlage für Entscheidungen genommen. Unter dem Motto „die haben enorme Probleme mit dem ERP-System… die brauchen wir nicht zu einer ERP-Präsentation einzuladen…“.

Letztendlich führen beide Wege nur bedingt zur bestmöglichen ERP-Lösung, da auch wirklich zu dem Unternehmen passt.

Einerseits ist der Markt für ERP-Lösungen schwierig zu durchschauen. Zahlreiche ERP-Anbieter befinden sich im Markt und bieten mehr oder weniger komplexe Lösungen an.
Andererseits sind die Aussagen von anderen Unternehmen bezüglich ihrer Erfahrungen mit einzelnen ERP-Lösungen häufig sehr emotional und dazu sehr individuell auf die entsprechende Situation in dem jeweiligen Unternehmen bezogen. In den wenigsten Fällen liegen die Probleme in der eigentlichen ERP-Anwendung, sondern vielmehr an anderen Gründen, wie
– Die eigentlich gute ERP-Lösung wird von einem weniger geeigneten ERP-Anbieter implementiert bzw. betreut.
– Es fehlt das Verständnis für ggf. neue Prozesse und für das Arbeiten mit integrierten Systemen.
– Mängel an der technischen Umsetzung (z.B. in der Infrastruktur etc.) werden auf das ERP-System bezogen.
– u.v.m.

Um diese vielen negativen Möglichkeiten zu minimieren und die wirklich bestmögliche ERP-Lösung zu finden, lohnt sich eine unabhängige ERP-Beratung.

Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass die beauftragte ERP-Beratung auch wirklich unabhängig ist. Werden die letzten Projekte hinterfragt, stellt sich schnell heraus, dass immer die gleichen ERP-Anbieter von den ERP-Beratungen empfohlen werden. Von Unabhängigkeit kann also hier keine Rede sein.

Ebenso sollte sich die ERP-Beratung nicht auf ein Ausfüllen umfangreicher Checklisten beschränken. Eine ERP-Beratung sollte auch immer folgende Punkte berücksichtigen:
– Welche Prozesse können im Rahmen der Analyse unabhängig von der IT optimiert werden?
– Wie passt die zukünftige ERP-Lösung in die strategische Ausrichtung (Stichwort: IT-Alignment / IT-Governance)?
– Wie soll zukünftig die Unternehmensarchitektur aussehen (Enterprise Architecture Management)?
– Wird das Lastenheft ohne Interpretationsspielraum erstellt und komplexe Prozesse detailliert erklärt?
– Werden lediglich IST-Prozesse beschrieben oder Sollprozesse detailliert aufgeführt, die mit Hilfe der ERP-Lösung umgesetzt werden sollen?
– Berücksichtigt das zukünftige ERP-Projekt auch eine Betrachtung und Optimierung der Stammdaten?
– Werden nicht nur die einmaligen Kosten für die ERP-Einführung kalkuliert, sondern auch die Folgekosten (Stichwort: total cost of ownership)?
– Werden auch sog. weiche Faktoren berücksichtigt, wie der Umgang der ERP-Anbieter mit Kundenunternehmen, zukünftige Ausrichtung usw.?

Außerdem sollte unserer Meinung nach eine unabhängige ERP-Beratung auch dahingehend kompetent sein, dass die eigentliche Softwareauswahl nicht nur zum Selbstzweck durchgeführt wird. Die ERP-Beratung sollte relativ schnell eine Tendenz sehen, welche ERP-Lösungen und welche ERP-Dienstleister am besten geeignet sind.

Fazit

Die Auswahl eines geeigneten ERP-Anbieters ist komplex. Deshalb sollte bereits der Auswahl der geeigneten ERP-Beratung auf Unabhängigkeit und Qualität geachtet werden. Beauftragen Unternehmen die geeignete ERP-Beratung steht einer Auswahl der bestmöglichen ERP-Lösung und des entsprechenden Implementierungspartners nichts mehr im Wege.